OP-TECHNIK


 

Welche Op-Technik ist besser: die geschlossene oder offene Technik der Nasenkorrektur?

Diese Fachbegriffe beziehen sich auf den, im Rahmen einer Nasenkorrektur durchgeführten, kleinen Schnitt unter der Nasenspitze bzw. den Verzicht darauf. Diese beiden möglichen OP-Techniken haben jeweils Vor- und Nachteile. Im folgenden Text klären wir Sie über diese auf.

 

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1. Geschlossene Technik:

Bei dieser Technik der Nasenkorrektur werden die Schnitte lediglich unter den Nasenflügeln im Naseninneren gesetzt. Die gesamte Operation findet in einem schmalen Tunnel statt. Eine Verkleinerung der rechten und linken Seite der Nase erfolgt nacheinander durch den jeweiligen rechten und linken Tunnel. Damit ist eine Vergleichbarkeit der Symmetrie der zurechtgeschnittenen Knorpel nicht durch direkte Sicht gegeben. Der Chirurg schätzt die endgültige Nasenform durch Abtasten von Nasenrücken und Nasenspitze ein. Diese sind aber durch die Operation schon geschwollen und feinste Asymmetrien sind daher nicht sicht- oder tastbar. 

2. Offene Technik:

Der einzige und wesentliche Unterschied zwischen der geschlossenen und offenen Technik besteht in einem ca. 6 mm langen zusätzlichen Schnitt am schmalsten Teil des Nasenstegs. Durch diese Maßnahme kann die gesamte Haut an Nasenspitze und Nasenrücken vorsichtig hochgeschoben werden. Somit ist eine komplette Sicht auf die gesamten Knorpel und den knorpelig-knöchernen Nasenrücken möglich, das ist ein enormer Vorteil! Da es ein häufiges Problem der geschlossenen Technik ist, dass  bei der Nasenkorrektur spätestens nach zwei bis drei Jahren wenn die Nase abgeschwollen ist auch kleinste Hubbel oder Asymmetrien sichtbar werden, versucht man diesem Problem mit der offenen Technik zu vermeiden.

Durch die offene Technik der Rhinoplastik kann der Nasenrücken unter Sicht abgeschliffen bzw. verkleinert werden. Die sogenannten spreader grafts - kleinste Knorpelschienen aus der Nasenscheidewand zur Begradigung des Nasenrückens bzw. zur funktionellen Besserung der Belüftung der Nase - können fixiert werden. Die häufig vorhandenen Nasenspitzenasymmetrien können unter Sicht korrigiert und tip shields, septal extension grafts, columella struts zur Nasenspitzenstabilisierung und Nasenformung aufgenäht werden. 

In vielen Fällen erlaubt also dieser kleine zusätzliche Schnitt am Nasensteg eine bessere Darstellung des OP-Gebietes und führt zu einem besseren Ergebnis nach der Nasen-Op.  Die Meinungen unter den Plastischen Chirurgen unterscheiden sich in dieser Hinsicht jedoch stark.  Im Jahr 2014 fand diesbezüglich ein Kongress in Italien statt, auf welchem die Meinung der Anhänger der offenen vs. der Verfechter der geschlossenen Technik kontrovers stark diskutiert wurde. Einen Konsens gab es dabei nicht. Ich führe beide Techniken durch - je nach gewünschter Veränderung an der Nase. Das Verhältnis ist bei Ersteingriffen an der Nase ca. 85 zu 15 % offene gegenüber der geschlossenen Technik.

Die Techniken im direkten Vergleich

Die Vorteile der offenen Technik sind sowohl die verbesserte Veranschaulichung der  Knorpel- /Knochenstruktur, als auch die präzisere Naht- und Transplantatsetzung, die oft an der Nasenspitze nötig ist. Der Nachteil ist die etwas vermehrte Schwellung der Nasenspitze nach der Op, die länger anhalten kann. Die “geschlossene“ Technik verursacht weniger Schwellung, aber durch die verringerte Freilegung der Nasenspitze, begrenzt diese Technik den Chirurgen massiv in seiner Handlungsfähigkeit und Genauigkeit. Für welche Technik ich mich entscheide, hängt von den Besonderheiten der Nase des Patienten ab. Ich bin in beiden Techniken jahrelang geschult, bevorzuge aber aufgrund meiner Erfahrung die offene Nasenkorrektur. In 90% der Fällen führe ich jedoch eine offene Nasenkorrektur durch, da die ästhetischen Wünsche der Patienten die Möglichkeiten der geschlossenen Technik in der Regel überschreiten. Die Akzeptanz dieses kleinen Zusatzschnittes ist sehr hoch und die Vorteile einer offenen Technik, zugunsten einer höheren Präzision und besserer Symmetrie und demzufolge besseren Langzeitergebnissen, liegen auf der Hand.

Sichtbarkeit der Narbe nach der Korrektur

Viele Patienten fragen mich in den Beratungsgesprächen, ob die Narbe später sichtbar ist oder einen Einfluss auf die Nasenform hat. Die kleine Narbe am Nasensteg während des Eingriffes ist aus meiner Erfahrung nach ein bis vier Monaten bei 80 % der operierten Patienten nicht mehr sichtbar. In ca. 15 % hält die Rötung innerhalb der feinen Narbe bis zu ca. 6 Monaten an. Nur ca. 3 % der Fälle erhalten eine kleine Korrektur nach einem Jahr  mittels Co2-Fraxel- Laser, in 2% erfolgt eine Narbenkorrektur in lokaler Betäubung. 

Das Wohlbefinden der Patienten hat die oberste Priorität. Ich lege in der Regel keine klassischen Nasentamponaden, sondern sog. Doyle-Splints, welche den Naseneingang offen lassen, um den Patienten direkt nach dem Eingriff die Atmung durch die Nase zu ermöglichen.

Die Eingriffe führe ich in privaten OP-Zentren mit Fachärzten für Anästhesiologie in Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) durch.

Die Nachbehandlung findet in unserer Praxis in den ersten 14 Tagen nach der Operation sehr engmaschig statt. Ich habe in den ganzen Jahren meiner chirurgischen Tätigkeit gelernt, dass die Operation zwar ein wesentlicher Schritt zum Erfolg und zur gewünschten Veränderung ist, aber dass die korrekte und engmaschige Nachbehandlung mit Kontrollen des Heilungsverlaufes mindestens genauso wichtig ist, um das gewünschte Ergebnis sicherzustellen.

Ihre Dr. Julia Berkei

Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Spezialistin für Nasen-Ops

Narbenverlauf bei einer Patientin mit V-förmigen Schnitt am Nasensteg und Nasenflügelrandschnitt, drei Wochen nach OP

(Patientin drei Wochen nach Nasenkorrektur mit V-förmigen Schnitt am Nasensteg und Nasenflügelrandschnitt links und rechts.)