BELÜFTUNGSSTÖRUNGEN


 

Funktionelle Rhinoplastik bei Belüftungsstörungen

Neben der rein ästhetischen Nasenchirurgie gibt es zwei weitere Einteilungen der Nasenchirurgie: die funktionelle und die  rekonstruktive Nasenkorrektur. Bei einer rein ästhetischen Operation wird eine attraktivere Nasenform angestrebt unter Berücksichtigung des Erhalts der normalen Respiration (Belüftung). Die funktionelle Rhinoplastik oder auch Septorhinoplastik dient der Verbesserung der Atemwegsfunktionen, d. h. einer besseren Belüftung der Nase. Die rekonstruktive Nasenkorrektur z. B. nach Unfällen oder Tumoren dient der Wiederherstellung von Form und Funktion der Nase.

Die Ursachen für eine Belüftungsstörung können vielfältig sein und sind meist auf anatomische Veränderungen zurückzuführen. Es gilt zu unterscheiden zwischen den Verengungen der Luftwege durch eine Verdickung der Schleimhäute wie z. B. bei einem Schnupfen oder einer Allergie und den anatomischen Veränderungen an Knorpel und Knochen wie z. B. bei einem schiefen Nasenseptum, einer Septumleiste oder vergrößerten Nasenmuscheln.

Obwohl eine rein kosmetische Nasenkorrektur oder eine rein funktionelle Rhinoplastik separate Verfahren darstellen, gibt es auch Patienten die sowohl eine funktionelle, als auch eine kosmetische Verbesserung anstreben.

Funktionelle Atemwegshindernisse

Symptome einer funktionellen Atemwegsbehinderung beinhalten eine verstopfte Nase, Mundatmung (vor allem nachts), einen trockenen Mund oder eine reduzierte Geruchswahrnehmung. Sekundäre Nebenwirkungen einer chronischen Nasenverstopfung können Nasenbluten und wiederkehrende Nasennebenhöhlen-Infektionen sein. Durch einen erhöhten Druck in den nicht ablaufenden Nasennebenhöhlen entstehen Kopfschmerzen, Störungen im Druckausgleich zwischen Ohr und Nase (Eustachi`sche Röhre) oder auch Schlafstörungen. Werden diese Symptome nicht behandelt, können sie eventuell dazu führen, dass ernstzunehmende, chronische Belüftungsstörungen inklusive Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Schlafapnoe-Syndrom und sogar Herzerkrankungen begünstigt werden.

Diagnostik der Belüftungsstörungen

Eine gründliche Befragung des Patienten, gefolgt von einer sorgfältigen Untersuchung der äußeren und inneren Nase (Nasenlöcher bei Ein- und Ausatmung, Vestibulum nasi, Nasenklappen, Nasenmuscheln, Nasenseptum) dienen als Grundlage der Planung eines Eingriffs. Zur weiteren Diagnostik kann eine Rhinomanometrie (Luftstrommessung), eine Röntgenaufnahme der Nase und Nasennebenhöhlen oder eine digitale Volumentomographie (DVT) Aufschluss über knorpelig-knöcherne Veränderungen geben. Für diese Spezialuntersuchungen werden wir Sie zum HNO-Arzt oder in eine Radiologie schicken.

Chirurgische Behandlung der inneren Nasenwege

In weniger komplizierten Fällen beinhaltet die funktionelle Nasenchirurgie die chirurgische Behandlung der inneren Nasenwege ohne Veränderung der äußeren Nase. Es kann zur Verbesserung der Belüftung aber auch nötig sein, die äußere Form zu verändern, um z. B. ein schiefes Nasenseptum gerade zu stellen, eine verengte innere Nasenklappe zu öffnen und Spreader grafts an der Seite der Nasenscheidewand auf Höhe des Nasenrückens einzusetzen. Diese Operationen umfassen die Septorhinoplastik (Nasenscheidewandbegradigung), Muschelkaustik (Schwellkörperverkleinerung) und ggf. eine Entfernung der Nasenpolypen.

Bei der Nasenscheidewandbegradigung ist die, das rechte und linke Nasenloch teilende Wand verkrümmt, schief, bogenförmig oder verdreht, was zu einer Blockierung eines oder beider Atemwege führen kann (allgemein bekannt als schiefes Septum oder schiefe Nasenscheidewand). Die Septoplastik verwendet eine Vielzahl chirurgischer Techniken, um die Septumwand zu begradigen und die Atemwege zu befreien.

Welche Technik angewendet wird, entscheidet die Ursache der Schiefstellung:

Prinzipiell können diese Formen der Schiefnase unterschieden werden:

Dartstellung der verschiedenen Arten der Nasenscheidewandverkrümmungen

Knorpelige Schiefnase:

Entscheidend ist die Begradigung des knorpeligen Anteils des Nasenseptums. Ggf. müssen die Dreiecksknorpel abgelöst und damit Verziehungen beseitigt werden. Spreader grafts (kleine Knorpelschienen zur Öffnung der inneren Nasenklappe) und Positionsnähte sind meist Teil der Neupositionierung. Eine Fixation des zur Seite abgewichenen Nasenseptums in der Spina nasalis (Knochenvorsprung an der Basis der Nasenlöcher) kann nötig sein.

Knöcherne Schiefnase:

Es findet sich eine Asymmetrie der knöchernen Nasenpyramide. In diesem Falle müssen die Osteotomien, die Durchtrennungen der knöchernen Wände ggf. asymmetrisch erfolgen. Eine Abtragung eines Höckers zur Öffnung des Nasendaches kann erforderlich sein, um eine Neupositionierung der Nasenachse zu erzielen.

C- oder S-förmige Deviation:

Hier muss entschieden werden, ob eine knöchern- knorplige Achsenkorrektur durchgeführt wird, oder ob eine Begradigung durch Augmentation (Aufbau) der konkaven Seite mit Septum- oder Ohrknorpel erfolgen soll.

Pseudoschiefnase:

Die Pseudoschiefnase ist keine Fehlstellung der Nasenachse sondern es entsteht der Eindruck einer Fehlstellung durch unterschiedliche eye brow lines. Hier gilt es, Gesichtsasymmetrien (Augenbrauenposition, Augachsen, Wangenknochen, Ober- und Unterkieferfehlstellungen) genau zu analysieren und mit der Patientin/dem Patienten Zielstellungen und operative Möglichkeiten genau zu besprechen.

Muschelkaustik – Verkleinerung vergrößerter Nasenmuscheln:

Vergrößerte Nasenmuscheln, bekannt als Muschelhypertrophie, sind ein weiterer häufiger Grund für eine Belüftungsstörung, vor allem bei Patienten mit einer seit langem bestehenden Allergie. Nasenmuscheln – das sind mit einer Schleimhaut überzogene Knochenlamellen, welche die Oberfläche der Nasenhöhle vergrößern. Sie befinden sich an der äußeren Wand jedes Nasenlochs, wo jeweils 3 Muscheln (obere, mittlere und untere Muschel) übereinanderliegen, wobei die untere Nasenmuschel meist am größten ist. Die obere Muschel ist normalerweise sehr klein und selten der Grund für eine symptomatische Atemwegstörung. Jedoch können sich bei manchen Patienten in der mittleren Muschel langsam innere Lufttaschen bilden, die zu symptomatischen Atemwegsbehinderungen führen können - diese Fehlbildung ist bekannt als Concha bullosa. Allerdings ist die Vergrößerung der unteren Muschel, auf Grund Ihrer Größe und natürlichen Fähigkeit auf Umwelteinflüsse mit Wachstum zu antworten, bei weitem der häufigste Grund für Nasenatemwegsblockaden. Da Muscheln die Funktion zur Befeuchtung, Anwärmung und Filterung der eingeatmeten Luft haben, ist es selten klug das gesamte Muschelgewebe zu entfernen. Dennoch, wenn das Muschelgewebe zu groß wird und zu funktionalen Atemwegsstörungen führt, ist eine partielle Verkleinerung der Muscheln angezeigt. Dies ist ein zielgerichteter chirurgischer Eingriff, der die Nasenbelüftung deutlich verbessern kann. Die Genesung ist generell schnell und schmerzlos, aber das Risiko einer Nachblutung ist für einige Wochen bis zur vollständigen Abheilung der Nasenschleimhäute erhöht.

Bei Allergikern ist allerdings bekannt, daß sich die Schleimhaut in der Regel nach einem Zeitraum von 1-2 Jahren erholen kann und z.B. ein erneutes Veröden der Schleimhaut der Nasenmuscheln nötig ist. 

Nasenpolyentfernung:

Nasenpolypen sind gutartige, traubenförmige Gebilde, die manchmal die Nasendurchgänge behindern können. In weniger ausgeprägten Fällen ist die Entfernung unkompliziert, aber die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Wachstums ist oft hoch.  Aggressive Allergiebehandlung, vor allem gegen Pilzallergien, reduziert oft das Rezidivrisiko.

Chirurgische Behandlung des äußeren Nasengerüsts

 Während die Beseitigung von inneren Atemwegshindernissen für manche Patienten oft ausreicht, erfordern stärkere Nasenatemwegsbehinderungen die chirurgische Behandlung des äußeren Nasengerüstes. Nasen die verdreht, schief, kollabiert oder zu schmal sind (oder Kombinationen davon), lassen sich durch alleinige innere Atemwegsoperation nicht verbessern. Bei diesem Patientengut sind Rhinoplastiktechniken zur Begradigung, Verbreiterung und Verstärkung des verlegten äußeren Nasendurchgangs nötig, um einen freien Atemweg zwischen den Nasenlöchern und dem Rachen zu schaffen. Diese Techniken sind allgemein bekannt unter dem Begriff „Funktionelle Rhinoplastik“.

Krankenkassenbeteiligung:

Obwohl jede chirurgische Veränderung der Nase, die ausschließlich der kosmetischen Verschönerung dient, nicht durch die Krankenkasse getragen wird, werden funktionale Störungen der Nasenatemwege normalerweise von den allermeisten Krankenversicherungspaketen abgedeckt. Da es wenig Sinn macht, dasselbe Körperteil zweimal zu operieren, zum einen um die funktionale Beeinträchtigung zu korrigieren und zum zweiten um kosmetische Belange anzugehen, ist es das Beste sowohl die funktionellen als auch die kosmetischen Ziele in einer OP zu vereinigen. Dies verhindert nicht nur das zusätzliche Risiko und die Ausfallzeit einer zweiten Operation, es vergrößert auch die Möglichkeit eines erfolgreichen Ergebnisses, da die Form und Funktion der Nase unumstößlich miteinander verbunden sind. Obwohl medizinisch notwendige chirurgische Eingriffe eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen beinhalten, sollte der Patient in Betracht ziehen, dass er vor der geplanten Operation den Kostenvoranschlag bei seiner Kasse mit Bitte um Kostenübernahme einreicht. Die Kosten unterscheiden sich stark in Abhängigkeit vom Umfang des Eingriffs.

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